17.11.2008 | 18:58 | Tipps und Tools
Schreiben, Schreiben, Schreiben. Einfach irgendwas hinschreiben. So lange, bis der Beitrag fertig ist. Und dabei keine Pausen machen. Im "Gentle Mode" zeigt das Schreibehelfertool "Write or Die" nur ein lästiges Mahn-Popup an, wenn man nicht weiterschreibt. Im "Normal Mode" erzeugt es in den Schreibpausen grässliche Geräusche, und im "Kamikaze Mode" wird der bereits entstandene Text Wort für Wort wieder gelöscht. Das darf nicht passieren. Es gibt zwar eine Pausenfunktion, "but it will only work once! This is the only concession I make to your human needs." Gesamtschreibzeit für diesen Beitrag: 120 Sekunden. Durchschnittliche Schreibzeit für ohne "Write Or Die" entstandene Beiträge vergleichbarer Länge: 45 Minuten. Danke an Susanne Richter aus Strasbourg für den Hinweis auf dieses jetzt schon unentbehrliche
Dieser Beitrag wird zwecks Produktivitätsverdopplung demnächst auch in der Riesenmaschine erscheinen.
12.11.2008 | 17:12 | Tipps und Tools
Muss dringend zahlreiche andere Dinge tun, deshalb sei nur ganz kurz auf die "noprocrast"-Option der Hacker News hingewiesen. "maxvisit" ist die Anzahl Minuten, die man höchstens auf der Website verbringen kann; vor dem nächsten Besuch müssen mindestens "minaway" Minuten verstreichen. Leider lässt sich das Ganze bei Bedarf auch einfach wieder abschalten, und selbst, wenn es nicht so wäre, bliebe immer noch das ebendort beschriebene Problem: Wer keine Hacker News lesen darf, prokrastiniert eben anderswo und im Zweifelsfall mit langweiligeren Tätigkeiten. Aber weil das bloße Vorhandensein der Option ja keinen Schaden anrichtet und vielleicht dem einen oder anderen tatsächlich hilft, sei sie hiermit anderen zeitfressenden Websites zur Nachahmung empfohlen.
06.11.2008 | 11:03 | Berichte und Beispiele
Markus Albers, der Autor von "Morgen komm ich später rein", berichtet aus Estland, dem Land des überall kostenlos verfügbaren WLAN:
"Katrin Pärgmäe vom Estonian Informatics Center ... behauptet: 'Die Steuererklärung dauert in unserem nagelneuen und übersichtlichen Regierungsportal nur 10 Minuten, ein Gewerbe anzumelden 15 Minuten.'
Vor zwei Jahren wurde zum ersten Mal online gewählt. Eltern kontrollieren die Hausaufgaben ihrer Kinder auf der Schulwebsite. Parkgebüren werden per SMS bezahlt. Und weil sogar das Bier in der Künstlerkneipe mit Kreditkarte abgerechnet wird, gibt es in Estland einfach gar kein Münzgeld mehr."
Estland scheint ja jetzt zur EU zu gehören oder so. Vielleicht kann man da einfach ohne viel Getue hinziehen, und die Sache hat sich.
03.11.2008 | 19:08 | Tipps und Tools | Berichte und Beispiele
Die Hoffnung auf eine bessere Welt erfüllt sich schon bald! Der Produkte-Versender Amazon hat das "Amazon Frustration Free Package" auf den vertrackten Verpackungsmarkt gebracht (natürlich bisher nur in den USA). Es handelt sich um eine stark vereinfachte Verpackung für alle möglichen Produkte, die man ohne Teppichmesser, ohne Schere, ohne Schneidbrenner oder Präzisionsstanze öffnen kann.
Genau das ist der Geist, in dem wir den Fortschritt des Konsums vorangetrieben sehen wollen – aggressive Vereinfachung von allem und jedem, bis das Scheitern am Gerät oder an der Geräteverpackung ausgeschlossen werden kann. Dass Amazon sich im vorliegenden Fall dem Ärgernis Verpackung angenommen hat, das sie nur indirekt mitbetrifft, muss als vorbildlich begrüsst werden. Wer stand nicht schon mit blutenden Fingern, drei abgebrochenen Klingen und nach Lösungsmittel stinkend und fluchend vor einer nicht zu öffnenden Plastikverpackung? Bisherige Lösungsansätze umwehte oft der Ruch des Catch 22, aber nun wird das Übel an der Wurzel zernichtet, das Amazon Frustration Free Package entsteht nämlich gemeinsam mit den Herstellern, so wird sogar auch ein bisschen Umwelt gespart. Alles ist schliesslich so auch schon schwierig, anstrengend und komplex genug, da muss nicht auch noch eine blosse Verpackungsöffnung die Energie und die Kompliziertheit eines Tisch-Kernkraftwerks einfordern. Zur Belohnung für diese schöne Weltverbesserungsidee schicken wir Amazon eines unserer Bücher.
31.10.2008 | 17:28 | Berichte und Beispiele
Der nebenstehende Clip von so mittlerer Güte ist ein Clip mit Prokrastinationshintergrund. Inhaltlich handelt es sich um ein Filmchen, das ich für eine Arte-Dokumentation gedreht habe, in der es um freies W-LAN für alle geht und wie man das politisch durchsetzen könnte; die Idee besteht hauptsächlich darin, vor dem Brandenburger Tor die kleinste Demonstration der Welt zu veranstalten und davon einen Clip ins Netz zu stellen (eine Idee, die ich seit Jahren allen möglichen Werbekunden versucht habe zu verkaufen, wollte aber nie jemand).
Technisch aber ist das Zustandekommen des Films interessanter: Am achten Oktober wurde gedreht, wie der Youtube-Clip gedreht wurde. Im Überschwang hatte ich mich bereiterklärt, meine Kamera mitzubringen und den nebenstehenden Clip auch zu schneiden. iMovie, zippzapp, kann ja nicht so schwer sein, dachte ich mir so und hatte das alles schon wieder vergessen, als ein paar Tage später der Film fertig sein sollte. Drei Stunden vor der Deadline, etwa am 11. Oktober fing ich an zu recherchieren. Problem: ich hatte die Sony-Kamera im Glauben, die Aufnahmequalität müsse erhöht werden, auf AVCHD 1080i eingestellt. Es stellte sich heraus, dass diese Massnahme ein kleines wenig, sagen wir, kurzsichtig war, denn die Kamera hatte alle Dateien im Format .MTS abgespeichert. Hä? Ja. Digitale Filmdateiformate sind sowieso ein einziges Grauen, eine stockdunkle Riesenhöhle mit spitzen Stalaktiten, Stalagmiten, Felsspalten und Abgründen, in der auch die Bewandertsten nur ein Funzelchen mit sich herumtragen, mit dem anderthalb Meter um sie herum beleuchtet werden. Zum Vergleich: Das Dateiformat .MTS taucht weder in der Wikipediabeschreibung von AVCHD auf noch in der dortigen, doch recht umfangreichen Auflistung von Dateiendungen. Weitere Recherchen ergaben zwar eine Handvoll Converterprogramme, leider alle auf dem PC (das ist so eine aussterbende Betriebssystemimitation).
Um es kurz zu machen, gab es keine andere Möglichkeit, als die Szene, in der der hier vorliegende Youtube-Clip im Film gebraucht wurde, auf den letzten Drehtag zu verlegen. Der am letzten Dienstag war. Vorrausschauend fragte ich bereits am Montag Mittag das neue Human Google, also Twitter, um Rat. In der Tat bekam ich eine Menge Antworten, lud auf Verdacht ersteinmal drei, vier Tools herunter, die alle mit .MTS ebensowenig anfangen konnten wie ich. Dann der entscheidende Tipp: Voltaic (von mehreren Menschen, unter anderem @iForia und @Olli). Damit konnte man dieses aberwitzige Dateiformat auf dem Mac umwandeln, was ich auf Dienstag vormittag verschob und nur 10 Minuten nach der Deadline lag der zusammengeschusterte Clip in grauenhafter Vorschau-Qualität (wegen fehlender Ausspielzeit) vor. Der Clou: mein spezielles Dateiumrechnungsproblem war aufgrund von seltsamen Einstellungen meines Sony-Camcorders überhaupt erst seit der 1.6.0-Release technisch lösbar. Das Datum der Veröffentlichung: 16. Oktober 2008. Ich hätte das Problem zum Zeitpunkt der Entstehung also gar nicht lösen können, so ganz ohne schnittfähige PCs im Freundeskreis. Ich ziehe daraus nicht nur die Lehre, dass Prokrastination unter anderem "auf den Fortschritt warten" heisst – sondern auch, dass man ab und zu einfach Glück braucht. Und technisch begabte, aufmerksame Follower, die den ganzen Tag im Netz herumstromern und die seltsamsten Programme ausfindig machen, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes tun sollten.
30.10.2008 | 18:36 | Kategorie braucht noch einen Titel!
Leser Felix L. weist uns auf dieses schöne Bild hin. Über die Urhebersituation konnte ich nichts herausfinden, deshalb an dieser Stelle nur der Link. (Gerade schlecht organisierte Menschen sollten das Abgemahntwerden nach Möglichkeit anderen überlassen. Einblick in unsere Abmahnungssammlung Di-Fr nach Vereinbarung, Schulklassen kostenlos. Original-Gravenreuth-Werke!)