15.09.2008 | 07:57 | Berichte und Beispiele
18. Dezember. Wenn es nicht zweifellos wäre, daß der Grund dessen, daß ich Briefe (selbst solche voraussichtlich unbedeutenden Inhalts, wie eben jetzt einen) eine Zeitlang uneröffnet liegen lasse, nur Schwäche und Feigheit ist, die mit dem Aufmachen eines Briefes ebenso zögert, wie sie zögern würde, die Tür eines Zimmers zu öffnen, in dem ein Mensch vielleicht schon ungeduldig auf mich wartet, dann könnte man dieses Liegenlassen der Briefe noch viel besser mit Gründlichkeit erklären. Angenommen nämlich, ich sei ein gründlicher Mensch, so muß ich versuchen, alles möglichst auszudehnen, was den Brief betrifft, also ihn schon langsam öffnen, langsam und vielmals lesen, lange überlegen, mit vielen Konzepten die Reinschrift vorbereiten und schließlich noch mit dem Wegschicken zögern. Das alles liegt in meiner Macht, nur eben das plötzliche Bekommen des Briefes läßt sich nicht vermeiden. Nun, ich verlangsame auch das auf künstliche Weise, ich öffne ihn lange nicht. Er liegt auf dem Tisch vor mir, immerfort bietet er sich mir an, immerfort bekomme ich ihn, nehme ihn aber nicht.
Franz Kafka: Die Tagebücher (gefunden von Elpenor, Höfliche Paparazzi)
13.09.2008 | 02:45 | Prokrastinations-Beratung
Die ohnehin dünn gesäten Beratungsangebote für Prokrastinierer drehen sich, wie unsere flüchtigen Recherchen ergeben, primär um den Einsatz unseriöser Wunderheilmethoden wie "einfach mal zusammenreißen", "noch mehr gute Vorsätze fassen" und "To-do-Listen schreiben". Dieser Missstand hat jetzt ein Ende, denn ab sofort gibt es hier die neue Rubrik "Prokrastinationsberatung". Dr. Lobo und ich lösen jeden Fall! Ratsuchende Leser wenden sich an mail@prokrastination.com.
12.09.2008 | 21:00 | Kategorie braucht noch einen Titel!

[Entliehen aus diesem Clip von Demetri Martin, der sowieso unfassbar lustig ist.]
12.09.2008 | 15:41 | Kategorie braucht noch einen Titel!
Wir waren offenbar nicht die Einzigen, die angesichts der Flut aus Produktivitätsblogs und -büchern der letzten Jahre das Gefühl hatten: Vielleicht sollte auch mal jemand sagen, dass es so aber nicht geht. Put Things Off – The laid-back productivity blog verfolgt eventuell einen ähnlichen Ansatz. Genaueres weiß ich nicht, ich konnte mich noch nicht dazu aufraffen, mehr als den Titel zu lesen. Der Claim "Technology is great – pencils are better", mit dem der Autor sein Buch (offenbar über Krikelkrakel mit Bleistift auf Papier) bewirbt, macht mich ein bisschen misstrauisch, am Ende fordert er womöglich, man solle alles Blinkende und Piepende abschalten und das Twittern einstellen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein – zwei Schwalben machen schon mal einen halben Sommer oder so!
11.09.2008 | 16:52 | Blog und Buch
Structured Procrastination von John Perry: Man braucht Aufgaben, die dringend und wichtig erscheinen, es aber gar nicht sind, damit man sich vor ihnen drücken und so die eigentlich sinnvolle Arbeit erledigen kann.
Good and Bad Procrastination von Paul Graham: Es geht nicht darum, Prokrastination zu vermeiden, denn sie ist unvermeidlich – schließlich vernachlässigt man bei der Arbeit an einer Sache zwangsläufig unendlich viele andere. Es geht darum, richtig zu prokrastinieren.
Auf diesen beiden Essays fußte der Prokrastinationsvortrag beim 9to5-Festival 2007, und ohne sie wäre das Buch nicht entstanden. Danke, John Perry und Paul Graham.
11.09.2008 | 13:47 | Berichte und Beispiele
"Things were not going well. It was August, and my tree from the previous year's Christmas still lay in a heap of brown, dead pine needles in my dark, unused dining room. I was ashamed to take it out to the trash, not wanting my neighbors to see how far I'd fallen, how utterly paralyzed I'd become by my years of excess. Eventually, my wife and I would make a heroic effort to dispose of the incriminating object – chopping it up like a dead body and stuffing it in plastic bags before lugging it in the dead of night a few floors down and leaving it near a known coke dealer's doorway. Let him take the rap, we figured."
(Anthony Bourdain: "Kitchen Confidential")